"Was meinst du damit, einen Toten gesehen?", fragte Thomas sie nun erstaunt, "und was wollte die Polizei von dir? Was hast du ihnen gesagt?", in seinen Augen lag ein fordernder Ausdruck der Melanie zusätzlich verunsicherte. "Das ich ihn zwei Tage nicht gesehen habe und ich nicht weiß wo er sein könnte, da ich ihn nicht erreiche", immer noch hielt Thomas ihren Arm fest. Melanie empfand es gleichzeitig als Stütze, wie auch als Bedrohung. Sie schwankte innerlich, als ob der kalte Herbstwind ihr entgegen blies. Es fröstelte sie. "Okay, hör zu Mel, ich habe eine Idee wo er sein könnte, ich werde schauen ob ich ihn finde. Es ist jetzt wichtig das Du unbedingt hier bleibst. Es könnte sein, dass sie Dich aufsuchen werden!", beschwörend klangen Thomas letzte Worte für Melanie. "Wer soll mich aufsuchen? Wovon redest Du?", und befreite sich aus seinem Griff und wich zurück. "Thomas, kannst du mir mal sagen was hier vor sich geht?", Melanie fühlte wie die Tränen in ihr aufstiegen, "Ich habe meinen Mann zwei Tage nicht gesehen, stattdessen eine Leiche von der ich annehmen musste es wäre Steffan und nun erzählst du mir das ich hier wie eine Gefangene hocken soll und warten was passiert?", brachen die Geschehnisse aus ihr heraus. "Ja, das musst du Mel, anders geht es nicht, vertrau mir bitte!", umfasste er sie plötzlich. Melanie wusste nicht, wie ihr geschah als er seine Arme um sie legte. Was ging hier vor? Sie traute ihm aber nicht, das hatte sie noch nie getan. Thomas war so ganz anders als Steffan, ihn umgab immer etwas glattes, oberflächliches, sie wusste nie genau was sie von ihm halten sollte.
Sie fühlte sich plötzlich wie betrogen, diese Ungewissheit schien ihr unerträglich, während sie stumm die Umarmung ertrug. Er wollte sie hier wissen, warum nur? "Thomas, was wirst du tun? Wie lange soll ich hier warten?", fragte sie, dachte aber gleichzeitig, das hier zu warten, sicher das letzte war, das sie tun wollte. "Ich werde Dich anrufen, wenn ich etwas weiß, ich schlage vor du schließt die Tür ab und lässt auch niemanden herein!" während er mit kalten Fingern ihre Schultern umfasste und sie nocheinmal ernst anschaute. "Ist gut", seufzte sie. Thomas verließ die Wohnung, die Melanies Gefängis sein sollte. Melanie schloß die Tür ab, sie hatte das unbestimmte Gefühl Thomas würde noch vor der Tür darauf warten den Schlüssel im Schloß umgedreht zu hören, dann überlegte sie, was sie als nächstes tun sollte...
"Thomas?! Wie kommst du...wo ist Steffan?", stammelte Melanie. "Seit wann ist er verschwunden, ich meine, wann hast du das letzte Mal von ihm gehört?" entgegnete Thomas, ihr Schwager, "du siehst schlecht aus ist dir nicht gut?" Und ging einen Schritt auf sie zu. "Die Polizei war heute Vormittag bei mir und ich musste mir einen Toten anschauen, ich...Moment, woher weißt du von Steffans Verschwinden?" Völlig verstört starrte Melanie ihren Schwager an. "Er ist heute Vormittag nicht zu dem vereinbarten Termin in der Firma erschienen."erwiderte ihr Schwager immer noch den Haustürschlüssel in der Hand haltend. Melanie durchfuhr es kalt, "Thomas wie kommst du an unseren Schlüssel?" Ihr Schwager schaute sie verständnislos an, "den hat mir Steffan doch vor eurem letzten Sylttrip gegeben." "Davon weiß ich nichts",Melanie schaute ins Leere. In dieser Sekunde klingelt das Telefon, Melanie blickte sich suchend nach dem Mobilteil um. "Warte Mel, geh noch nicht ran", Thomas hielt sie am Arm fest...
Sie erschrak bei dem Anblick der Leiche. Grau und muffig sah sie aus, ganz anders, als sie es sich vorstellte.
Doch nach dem ersten Schrecken durchfuhr sie erleichterung. Diese Leiche hatte keinerlei Ähnlichkeiten mit ihren Mann.
"Nein, das ist er nicht, " presste sie hervor, teils erleichtert, teils ungewiss, was nun als nächstes kommen würde.
Oberkommissar Hanter begleitete sie nach haus. Die ganze fahrt über sagte niemand ein Wort, Melanie kämpfte mit heftigen Würgereizen. Sie hatte das Gefühl, der Duft des Todes würde an ihr hängen. Bilder von totem Fleisch schossen ihr vor Augen, doch irgendwie schaffte sie es, sich erst zuahuse zu übergeben.
Völlig erschöpft sank sie auf den Badezimmerboden, die letzten Tage hatten ihr die letzte Kraft geraubt. Plötzlich hörte sie ein Geräusch. "Steffan?" Sie rannte nach unten, stolperte fast die Treppe hinunter und blieb unten wie versteinert stehen. Das Geräusch kam nicht von ihrem heimkehrenden Mann, sondern....
Lampe für Lampe arbeiteten sie sich den Gang entlang. Es wirkte alles kalt und tot. Aber ihre Bemühungen einen klaren Kopf zu bewahren scheiterten mit jeder Minute mehr und mehr. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Der Pathologe und der Kriminalkommisar gingen vor ihr und beredeten Details über Fundort und Zustand der Leiche. Sie unterhielten sich flüsternd, doch Melanie nahm es ohnehin kaum wahr. Mit einem Meter Abstand folgte sie den beiden Männern vor ihr. In sich zusammen gekrümmt, standen sie vor einer Tür mit der Aufschrift: Pathologie 3. "Frau Hübsch, sind sie in Ordnung? Sind sie sicher sie können uns helfen und die Leiche identifizieren?", fragte Oberkommisar Hanter die verstörte Frau. "Ja, ich denke ich kann ihnen helfen!", presste sie zwischen den Zähnen hervor. In einem Moment lief so manches vor ihrem geistigen Auge ab. Sie erinnerte sich, wie er ihr wieder dieselben Vorwürfe machte, wie so oft. "Was ist mit mir? Wann bekomme ich mal die Unterstützung, die du immer von mir forderst?" Oft ging es darum, wer nun wen unterstützte. Doch wie sollte sie ihn unterstützen? Sie hatte nicht einmal gewußt, was genau er machte. Und genau dafür forderte er ihr Verständnis. Er machte Andeutungen, dass es so sein müsse, das sie bald wieder bessere Zeiten haben würden, sie müsse ihm vertrauen. Und dann verschwand er einfach. Er sagte, er müsse Überstunden machen. Das war das letzte was sie von ihm gehört hatte. Und nun war sie im Begriff eine Leiche zu identifizieren, die womöglich ihr Mann sein sollte. Der Pathologe führte sie zu einer Wand voller Türen. Sie erinnerten sie an ihren eigenen Arbeitsplatz in der Bank. Die Türen waren nur etwas größer. Fachmännisch öffnete er eine der Türen und zog eine Bare heraus, die erkennbar einen Körper unter einer grauen Plane verdeckte. "Sind sie bereit, Fräulein Hübsch?", wurde sie nocheinmal gefragt. Oberkommisar Hanter legte beruhigend eine Hand auf ihre Schulter. Sie nickte stumm. Als die Plane am Ende langsam zurückgezogen wurde, zuckte Melanie merklich zusammen...
"Zu grelles Licht in der Pathologie", dachte Melanie. " Wer soll sich hier auch wohl fühlen? Ein Arbeitsplatz der besonderen Art. Gedanken gehen mir durch den Kopf, unglaublich! Ich bin hier um meinen Mann zu identifizieren! Meinen? Ich werde es gleich sehen, einfach weiter gehen und tief durchatmen.Oh mein Gott, nein ich schaff das schon!"
Gefunden wurde er heute Nacht, Melanie Hüsch die Ehefrau erlebt momenten alles wie in einem der üblichen Kriminalgeschichten. Sie, fast regungslos, funktionoiert so gut es geht, versucht einen klaren Kopf zu behalten.So sieht sie sich auch am Liebsten...
